Innovative Versorgungsmodelle

Eine zentrale Aufgabe der AG betrifft die Evaluation von neuen und innovativen Modellen der psychiatrischen und psychosozialen Versorgung und darüber hinaus.

Wirksamkeit settingübergreifender Modellprojekte nach §64b SGB V

Die im Rahmen des §64b SGB-V etablierten Modellvorhaben sind auf eine Verbesserung der Versorgung mittels unter anderem einer sektorenübergreifenden Leistungserbringung ausgerichtet. Bisher fehlt jedoch ein belastbarer Vergleich des Nutzens, der Kosten und der Effizienz von Modell- und Regelversorgung. An der Studie PsychCare ist die Medizinische Hochschule Brandenburg als Konsortialpartner unter der Leitung der Technische Universität Dresden, beteiligt. Sie verfolgt folgende Fragestellung: Weisen Nutzerinnen und Nutzer in der Modellversorgung 15 Monate nach Studieneinschluss eine höhere Lebensqualität und Behandlungszufriedenheit auf als entsprechende Nutzerinnen und Nutzer in der Regelversorgung und existieren Unterschiede im Ressourcenverbrauch?

Methodisch wird eine kontrollierte prospektive multizentrische Kohortenstudie mit drei Erhebungszeitpunkten durchgeführt: Baseline-Erhebung, Follow Up nach 9 und nach 15 Monaten. Neben der quantitativen Erhebung findet eine Prozessevaluation mit Hilfe von qualitativen Untersuchungen, eine Kosten-Effektivitäts-Analyse, Identifizierung von Qualitätsindikatoren und ein individuelles Linkage von Primär- und GKV-Sekundärdaten auf der Basis eines informed consent statt. Es ist geplant, bei den Erwachsenen pro Untersuchungsgruppe und Modell/Kontrollgruppe je 321 Nutzerinnen und Nutzer sowie bei den Kindern und Jugendlichen 212 Nutzerinnen und Nutzer pro Untersuchungsgruppe und Kontrollgruppe in die Studie einzuschließen. Die Ergebnisse werden zum Jahresende 2020 vorliegen.

Das Projekt wird von Innovationsfond gefördert, die Laufzeit ist von 2017 bis 2020.

Untersuchung der Wirksamkeit der Zu Hause Behandlung

Mit Blick auf eine bedarfsgerechte, psychiatrische Versorgung stößt die traditionelle Aufteilung in ambulanten, tagesklinischen und stationären Settings häufig an Grenzen. Aufsuchend arbeitende multiprofessionelle gemeindepsychiatrische Teams, wie sie in vielen Ländern als Home Treatment mittlerweile etabliert sind, standen bisher in Deutschland nicht regelhaft zur Verfügung. Viele Nutzende wollen aus guten Gründen allerdings in akuten Krisen nicht stationär behandelt werden.

Die Studie AktiV untersucht die Art der Implementierung, die Behandlungsprozesse, die klinische Wirksamkeit, stationäre Wiederaufnahmeraten und die Kosten einer stationsäquivalenten Behandlung (StäB) nach §115d SGB V im Vergleich zur konventionellen stationären Behandlung. Dabei wird die Eignung der StäB für unterschiedliche Zielgruppen, Versorgungssettings und Versorgungsregionen geprüft. Die Primärhypothese ist, dass innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten die stationäre Wiederaufnahmerate nach einer StäB signifikant geringer ausfällt als im Vergleich zu einer vollstationären Behandlung.

Das Projekt wird drei Jahre vom Innovationsfonds gefördert. Projektleitung hat Sebastian von Peter inne, Ansprechpartner für dieses Projekt ist Julian Schwarz.

Bundesweite Evaluation von Erfahrungen mit Peer- und Genesungsbegleitung

Seit rund 20 Jahren arbeiten Menschen mit eigenen Erfahrungen seelischer Krisen und Genesung (Peers) als PeerbegleiterInnen in psychiatrischen Versorgungseinrichtungen. Übersichten internationaler Studien zeigen, dass Peerbegleitung die Selbstermächtigung, Selbstwirksamkeit und Genesung von Psychiatrienutzenden verbessern kann. Doch gibt es nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse und Daten zu Peerbegleitung in der deutschen Regelversorgung. Das Forschungsprojekt ImPeer-Psy5 erhebt und evaluiert bundesweit Erfahrungen mit Peerarbeit und analysiert den Bedarf der beteiligten Akteure.

Es untersucht die Bedingungen des Einsatzes von PeerbegleiterInnen und ihre Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen und NutzerInnen. Es prüft die Übertragbarkeit internationaler Studienergebnisse. Eine standardisierte Befragung richtet sich an PeerbegleiterInnen, Peers in Ausbildung, Mitarbeitende und Führungskräfte aus Einrichtungen mit und ohne Peerbegleitung sowie NutzerInnen mit und ohne Kontakt zu Peers. Darüber hinaus erkunden AkteurInnen aus diesen Zielgruppen in Dialogen mit Forschenden ihre Erfahrungen im Rahmen von moderierten Gesprächsgruppen und Einzelinterviews detaillierter.

Das Projekt wird in allen Phasen kollaborativ und partizipativ gestaltet, d.h. in Zusammenarbeit von Forschenden und PraxisexpertInnen mit und ohne eigene Psychiatrieerfahrungen. Es wird für drei Jahre vom Innovationsfonds gefördert.

Reduktion und Absetzen von Psychopharmaka

Nutzerinnen und Nutzer sowie Verbände kritisieren seit langem eine zu hoch dosierte und zu langfristig durchgeführte Psychopharmakotherapie. Sie führen dabei Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der Einnahme sowohl von Antipsychotika als auch von Antidepressiva an. Die langfristige und hoch dosierte Einnahme von Antipsychotika und Antidepressiva kann zu erheblichen Nebenwirkungen, Toleranzentwicklung und irreversiblen Spätfolgen führen. Gewünscht wird stattdessen ein strukturierter Ansatz zur Reduktion und/oder Absetzen psychotroper Medikamente.

Dazu gibt es bisher nur wenig gesichertes Wissen. So wurde im Jahre 2018 in Berlin ein Trialog gegründet, in dem sich Psychiatrie-Erfahrene, deren Angehörige und Mitarbeitende Wissen über die Reduktion und das Absetzen von Psychopharmaka austauschen. Außerdem werden im Rahmen eines Promotionsvorhabens die aktuellen Vorgehensweisen und Einstellungen verschreibender Ärztinnen und Ärzte in Hinblick auf die Reduktion und das Absetzen von Antidepressiva und Antipsychotika in Berlin und Brandenburg untersuchen.

Es werden keine Fördermittel beantragt, das Projekt wird wahrscheinlich von 2018 bis 2020 laufen.

Sektorenübergreifende Versorgung für Eltern mit psychiatrischen Diagnosen – Beteiligung von Angehörigen an der psychiatrischen Versorgung

Ihrem Selbstverständnis nach ist die Psychiatrie eine Institution, die ihr Wissen aus dem Umgang mit den selbst Betroffenen generiert und sich dabei vor allem auf das binäre Verhältnis von Ärztin bzw. Arzt und Nutzerin bzw. Nutzer stützt. In dieser dyadischen Arzt-Nutzer-Beziehung sind die Angehörigen eine weitgehend unbeachtete Gruppe, deren systematische Ausgrenzung oft als Erfordernis und zugleich therapeutische Notwendigkeit gilt. Demgegenüber ist in der Psychiatrie gegenwärtig ein neues Interesse an der Gruppe der Angehörigen zu verzeichnen: Einerseits ist eine deutliche Tendenz zur Pathologisierung dieser Gruppe (als „Co-Erkrankte“) zu erkennen, andererseits wird seitens der Psychiatrie vermehrt der Einbezug von Angehörigen als sogenannte „Co-Therapeuten“ gefordert.

Studien belegen, dass der Einbezug von Angehörigen in das therapeutische Setting sowohl einen positiven Einfluss auf die Belastungserfahrungen der Angehörigen selbst, als auch auf die Genesung ihrer Angehörigen Nutzerinnen und Nutzer hat. Trotz vielfältiger Empfehlungen, etwa der DGPPN, ist die Frage, wie sich Angehörige in die psychiatrischen Versorgungsprozesse systematisch einbeziehen lassen, ein bislang kaum erforschtes Feld und bedarf dringlich weiterer Untersuchungen. Dieses Desiderat greift das Projekt im Rahmen einer partizipativen Studie in Zusammenarbeit mit dem Berliner Angehörigenverband Psychisch Kranker (APK) e.V. auf. Das Vorhaben hat die Entwicklung einer Intervention zur besseren Einbindung von Angehörigen in die Versorgungssituation zum Ziel.

Zweitmeinungsverfahren in der Chirurgie

Patientinnen und Patienten haben nach dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz vom Juli 2015 künftig einen rechtlichen Anspruch auf eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung, wenn bei ihnen ein operativer Eingriff geplant ist. Zweitmeinungsverfahren stellen eine Methode zur Sicherstellung evidenzbasierter Medizin in der Versorgung dar und leisten damit einen Beitrag zur Qualitätssicherung, zur Erhöhung der Sicherheit sowie zu einer bedarfsgerechten Versorgung. Ziel des Projektes ist es, Kriterien für Zweitmeinungsverfahren zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten entsprechen, die Gesundheitskompetenz steigern und zur informierten Entscheidungsfindung beitragen.

Sie können den Nutzerinnen und Nutzern durch weiterführende Informationen bei der Entscheidungsfindung unterstützen und sind geeignet, das Vertrauen in die Arzt-Patientenbeziehung zu stärken. In einem ersten Schritt soll eine bundesweite Bestandsaufnahme von Zweitmeinungsverfahren von 110 gesetzlichen und 38 privaten Krankenkassen durchgeführt werden. Danach erfolgt eine Bedarfsanalyse aus Sicht der Allgemeinbevölkerung, ausgewählter Patientengruppen, Mitgliedern von Selbsthilfegruppen sowie von Ärztinnen und Ärzten. Diese Bedarfsanalyse ist auf den Raum Berlin-Brandenburg begrenzt. Die erhaltenen Daten aus den Befragungen werden qualitativ und quantitativ ausgewertet und diskutiert. Daraus werden dann Erfolgskriterien abgeleitet.

Fördermittel: Das Projekt wird von Innovationsfond gefördert, die Laufzeit ist von 2019 bis 2021

Bedeutung und Konsequenzen der ambulanten palliativmedizinischen Versorgungsform im Land Brandenburg

Die ambulante Palliativversorgung wird von Kostenträgern, Leistungserbringern, Verbänden und Interessensgemeinschaften organisiert, jedoch nur selten unter Einbezug der Nutzerperspektive geplant. Im Rahmen des explorativen Forschungsvorhabens steht die Perspektive von Nutzerinnen und Nutzern und ihren Angehörigen im Land Brandenburg im Fokus. Es wird untersucht, welche Bedeutung und Konsequenzen die Strukturen der ambulanten Palliativversorgung für die Nutzerinnen und Nutzer haben.

In diesem Kontext werden insbesondere die Nutzer-Arzt-Beziehung, die wahrgenommene Versorgungsqualität, Lebensqualität, der Einbezug von Gesundheitsberufen in die Palliativversorgung sowie die Allokation von Gesundheitsleistungen betrachtet. Die Ergebnisse der Forschung werden die Sicht von Nutzerinnen und Nutzer auf ihre ambulante Palliativversorgung widergeben, das heißt Bedarfe und Bedürfnisse an die ambulante Palliativversorgung aufdecken und somit Evidenz für die zukunftsfähige Gestaltung der ambulanten Palliativversorgung wie auch Allokation von Gesundheitsleistungen in Deutschland liefern.

 
 
 
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    Sebastian von Peter
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