Arbeitsgruppe Klinische Psychopharmakologie

Die AG Klinische Psychopharmakologie führt klinisch-pharmakologische Studien durch und beschäftigt darüber hinaus mit Pharmakoepidemiologie, der kritischen Bewertung von pharmakologischen Strategien und der Arzneimitteltherapiesicherheit, wobei sie eng mit dem Institut für Arzneimittelsicherheit in der Psychiatrie (AMSP) in Hannover zusammenarbeitet.

Sie ist interdisziplinär aufgestellt (Psychiatrie, Pharmakologie, Biologie). Methodische Expertise besteht vor allem im Bereich der Pharmakovigilanz.  Mit ihren Arbeiten möchte sie eine rationale leitliniengestützte Pharmakotherapie in der Psychiatrie und Psychotherapie frei von Lobbyinteressen unterstützen.

AMSP Malignes neuroleptische Syndrom (MNS)

Auch bei bestimmungsgemäßer Anwendung von Psychopharmaka kann es in sehr seltenen Fällen zu schweren unerwünschten Arzneimittelwirkungen kommen, die den weiteren Behandlungsverlauf deutlich beeinträchtigen können. Die Datenbank des Instituts für Arzneimittelsicherheit in der Psychiatrie AMSP bietet die einmalige Gelegenheit, diese seltenen Fälle im Setting der Anwendung in der klinischen Routine zu analysieren. Ziel dieser Analysen ist die Sensibilisierung und verbesserte Früherkennung durch die behandelnden Ärzte/Ärztinnen, die epidemiologische Einordnung, die Benennung von Risikofaktoren, das Erkennen von problematischen Medikamentenkombinationen und letztendlich eine verbesserte Patientensicherheit und -versorgung.

Aktuell wird die AMSP Datenbank hinsichtlich des Auftretens eines Malignen Neuroleptischen Syndroms (NMS) untersucht. Diese seltene Nebenwirkung, welche in ihrer Vollausprägung typischerweise mit Fieber, Bewusstseinsstörungen, extrapyramidalmotorischen Störungen (vor allem Rigor), einer ausgeprägten Creatinkinaseerhöhung und einer vegetativen Entgleisung einhergehen kann, kann für den Patienten eine Lebensgefahr bedeuten und muss intensivmedizinisch therapiert werden. Es zeigt sich, dass bei den in dieser Hinsicht besser verträglichen antipsychotisch wirksamen Medikamente der 2. Generation ein MNS einen milderen Verlauf nehmen kann.

Reanalyse der NeSSy-Studiendaten hinsichtlich des Effekts der Variable Geschlecht

Die Hochschulklinik hat sich Forschungsprojekt Neuroleptic Strategy Study (NeSSy) beteiligt. Diese Studie, die von der Universität Bremen durchgeführt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert wurde, war die erste größere deutsche Studie zur Wirkweise von Antipsychotika bei Schizophrenie, die industrieunabhängig durchgeführt wird. An der Studie beteiligten sich folgende Zentren: die Universitätskliniken in Aachen, Düsseldorf, Bochum, Hannover, Charité Berlin, Hamburg, Göttingen sowie das Klinikum Bremen Ost, die Karl-Jaspers-Klinik Bad Zwischenahn, das Krankenhaus Eisenhüttenstadt, das Krankenhaus Angermünde, die Ruppiner Kliniken, das Klinikum Neubrandenburg und die Immanuel Klinik Rüdersdorf.

Die Methodik der Studie wurde veröffentlich:

Schulz C, Timm J, Cordes J, Gründer G, Mühlbauer B, Rüther E, Heinze, M, Patient-oriented randomisation — a new trial design applied in the Neuroleptic Strategy Study (NeSSy), Clinical Trials, 2016 13(3):251-9.doi: 10.1177/1740774516639910

Die Hauptergebnisse der Studie sind veröffentlicht:

Gründer G*, Heinze M*, Cordes J, Mühlbauer B, Juckel G, Rüther E, Timm J, Effects of First- versus Second-Generation Antipsychotics on Quality of Life in Schizophrenia: a Double-blind Randomised Study, The Lancet Psychiatry, 2016 Aug;3(8):717-29. doi: 10.1016/S2215-0366(16)00085-7.
*= Geteilte Erstautorschaft

Bei der vertieften Analyse einzelner Einflussvariablen fiel auf, dass bei Frauen der Effekt, von Antipsychotika der zweiten Generation zu profitieren, weniger deutlich ausfiel als bei Männern. Im laufenden Projekt reanalysieren wir die Studiendaten, um dies genauer zu beschreiben und mögliche vermittelnde Variablen aufzufinden.

AMSP Priapismus

Auch bei bestimmungsgemäßer Anwendung von Psychopharmaka kann es in sehr seltenen Fällen zu schweren unerwünschten Arzneimittelwirkungen kommen, die den weiteren Behandlungsverlauf deutlich beeinträchtigen können. Die Datenbank des Instituts für Arzneimittelsicherheit in der Psychiatrie AMSP bietet die einmalige Gelegenheit, diese seltenen Fälle im Setting der Anwendung in der klinischen Routine zu analysieren. Ziel dieser Analysen ist die Sensibilisierung und verbesserte Früherkennung durch die behandelnden Ärzte/Ärztinnen, die epidemiologische Einordnung, die Benennung von Risikofaktoren, das Erkennen von problematischen Medikamentenkombinationen und letztendlich eine verbesserte Patientensicherheit und -versorgung.

Aktuell wird die AMSP Datenbank hinsichtlich des Auftretens eines Priapismus analysiert. Psychopharmaka können sexuelle Funktionsstörungen auslösen, welche in der Therapieevaluation in der klinischen Routine oft nicht ausreichend berichtet und nachgefragt werden. Priapismus ist eine lang andauernde, oft schmerzhafte Dauererektion und stellt einen urologischen Notfall mit entsprechend invasiver Therapie und möglichen schwerwiegenden Folgen für die meist jungen Patienten dar. Die Analyse kann einen Beitrag zur Sensibilisierung für diese seltene Nebenwirkung mit routinierter Abfrage von Frühsymptomen in der Behandlung von Patienten leisten.

Systematische Übersichtsarbeiten zur Pharmakokinetik verschiedener Psychopharmaka mit Metaanalysen

In der Erforschung der Pharmakokinetik von Psychopharmaka sind die Daten oft einseitig an gesunden jungen männlichen Freiwilligen erhoben. Demnach sind die Beziehungen zwischen der Dosis und der Blutkonzentration bei Patienten in höherem Lebensalter und bei Frauen oft unzureichend erforscht und Dosisempfeh-lungen für die klinische Praxis sind nicht ausreichend evidenzbasiert und somit von der individuellen Erfahrung des behandelnden Arztes abhängig. Gleichzeitig wächst die Zahl älterer psychisch Kranker stetig. Diese Population ist häufig multimorbide und wird mittels Polypharmazie behandelt.

Dies erhöht das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Wechselwirkungen. Die Arbeitsgruppe Experimentelle und Klinische Psychopharmakologie möchte dazu beitragen, die Dosisempfehlungen für ältere Menschen auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen und führt zur Generierung fundierter Forschungshypothesen eine systematische Untersuchung und Metaanalyse der publizierten pharmakokinetischen Daten durch, um diesbezügliche offene Fragen im Anschluss durch klinische Studien an gesunden Probanden und Patenten klären zu können. Bisher ist keine zusammenfassende Untersuchung dieser Fragestellung publiziert, der Beitrag einer solchen Untersuchung zum Fortschritt psychiatrisch-pharmakologischer Forschung ist jedoch als klinisch höchst relevant zu bewerten.

 
 
 
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