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„Sozialrechtlich innovativ und menschlich nah“

Konsequente Ambulantisierung

Oberarzt: Der Therapieprozess selbst verläuft genauso wie mit den stationären Patienten. Wir machen das gesamte Therapieprogramm mit, werden eingetaktet, je nach Diagnose, in verschiedene Therapiegruppen, verschiedene Therapiesettings. Der einzige Unterschied ist, dass die Patienten eben, wie gesagt, zu Hause schlafen können.

Chefarzt: Was der Patient an Eingliederung erfährt oder an normalem Leben, was ihn dann auch hinterher befähigt, wieder in der Familie zu leben, einem Beruf nachzugehen, hat es große Auswirkungen. Auch da gibt es Studien, dass gezeigt wird, dass die soziale Einbindung und das soziale Funktionsniveau, wenn man es so messen will, besser ist, wenn man diese Programme ambulantisiert durchführt.

Referent Techniker Krankenkasse: Hier in Rüdersdorf gefällt uns besonders der Ansatz, dass stationäre Versorgung, teilstationäre und das sogenannte Home-Treatment aus einer Hand für die Patienten da sind.

Patient: Kurzzeitig abgeschirmt zu sein, war mir sehr hilfreich. Und einfach mal für einen kurzen Augenblick aus der Situation raus zu sein. Und was mir wichtig war, ist auch kurz darauf wieder nach Hause zu kommen, weil ich noch Tiere habe, um die ich mich kümmere.

Wie zum Beispiel meine Hühner. Eine kluckt gerade, sitzt auf den Eiern. Und ich hoffe, dass ich bald Küken habe.

Und meinen Hund muss ich mich ja auch kümmern. Mein Vater ist zwar sehr aufnahmebereit, aber kann sich auch nicht permanent um den Hund kümmern.

Patientenfürsprecher: Oftmals ist es ja notwendig, im Rahmen der Behandlung psychische Veränderungen bei den Patienten zu erreichen. Und das geht eben nur über eine gewisse Nähe und eine gute Beziehungsqualität.

Chefarzt: Da geht es viel auch um Vertrauen. Haben wir genug Zutrauen zu uns selbst und zu den Patienten, dass wir auch ohne die ständige Überwachung des Patienten glauben, dass das geht.

Pflegebereichsleitung Psychiatrie: Sehr individuell und sehr warmherzig und sehr professionell. Und ich empfinde die Zusammenarbeit hier in unserer Abteilung als sehr gut. Wir sind ein multiprofessionelles Team.

Wir sprechen sehr viel über unsere Patienten und diese Dinge ab. Also Therapien ab. Wir tauschen uns aus, wie es den Patienten geht.

Und da sind alle Berufsgruppen daran beteiligt. Psychiatrische Pflege ist, den Menschen wirklich sehr empathisch entgegenzukommen. Ihn nicht zu verurteilen vielleicht für seine Erkrankung.

Chefarzt: Wenn man Programme ambulantisiert macht, bekommt praktisch niemand mit, dass da etwas los ist.

Oberarzt: Die Patienten ja somit auch dem Stigma entgehen, in der Psychiatrie zu liegen, sondern die gehen halt morgens außer Haus und sind nachmittags wieder zu Hause. Insofern ist das, denke ich, ein Stück Normalität. Untertitel der Amara.org-Community

In dem Grundprinzip „ambulant vor stationär“ geht es um die Bereitstellung individualisierter Therapieangebote durch die Klinik unter Einbeziehung des unmittelbaren sozialen Lebensumfelds der Patienten. Die Vorteile bestehen in der höheren Chance auf eine nachhaltige psychische Stabilisierung, der Förderung der persönlichen Ressourcen, der Stärkung von Autonomie und Selbstbestimmung und damit in einer Steigerung der Lebensqualität und des sozialen Funktionsniveaus der Patienten.

Entscheidend für den Behandlungserfolg ist die Nutzung flexibler, sektorübergreifender Versorgungsformen; eine Integration ambulanter, stationärer und teilstationärer Leistungen.

Der Ausbau des ambulanten Spektrums reicht dabei von präventiven, niederschwelligen Behandlungskontakten zur längerfristigen Stabilisierung des Patienten über hochfrequente Kontakte in den Räumlichkeiten der Klinik bis hin zur stationsersetzenden, aufsuchenden Behandlung im häuslichen Umfeld bei akuten Krisen.

Mir war wichtig, auch nach Hause zu kommen.

Ambulant betreuter Patient