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„Netzwerke stärken!“

Zentrum für Tagesmedizin und gemeindepsychiatrischer Verbund

Oberärztin: Wir sind ja hier auch in Strausberg relativ zentral inzwischen, am Ende einer Einkaufszone, wo viel Öffentlichkeit herrscht. Das war am Anfang nicht nur mit Freude, sondern auch mit Bedenken von uns versehen. Die Bedenken können wir aber wirklich streichen.

Medizinische Fachangestellte: Bei uns in der Psychiatrischen Institutsambulanz sind es schwerst chronisch kranke Patienten mit Diagnosen zum Beispiel aus dem Vormkreis der Schizophrenie, depressive Patienten, Suchterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen und oben in der Tagesklinik im Dachgeschoss sind es eher Zwangserkrankungen, Ängste, Depressionen.

Oberärztin: Wir haben die Möglichkeit, psychiatrische Patienten ambulant und teilstationär zu behandeln. Unser Ziel ist schon, dass die Versorgung der Patienten wohnortnah passieren kann und dass die Patienten abends auch in ihrer gewohnten Umgebung sind, dass die Klinikaufnahme möglichst vermieden wird. Patienten, die aus der Ambulanz manchmal einen höheren Behandlungsaufwand haben, einen teilstationären Behandlungsbedarf, die können dann direkt übernommen werden und anders können wir dann auch die Weiterbehandlung, wenn sie die teilstationäre Seite nicht mehr benötigen, in der Ambulanz gewährleisten.

Psychiatriekoordinatorin: Ich denke, dass wir uns als Landkreis immer wieder Gedanken machen müssen, wie wir die Angebote hier für unsere psychisch erkrankten Menschen so gestalten können, dass sie ihren Erwartungen und ihren Bedürfnissen entsprechen.

Oberärztin: Wir sind ja auch in Personalunion über unseren Arzt, der die Ambulanz mit einer Teilstelle und der anderen Teilstelle im sozialpsychiatrischen Dienst verbindet. Das hat sich sehr bewährt, einfach weil man dann immer wieder auch die gemeinsamen Patienten über Netzwerke betreuen kann. Und wir wollen schon auch mit den niedergelassenen Kollegen eng kooperieren, immer wieder auch gucken, gemeinsame Behandlungswege, Pfade aufnehmen, dass nicht das so ausgestanzte Bereiche sind, sondern wir versuchen den Patienten schon als kontinuierliche Behandlung zu sehen und auch uns wirklich gut aufzustellen und auch breit aufzustellen.

Chefarzt: Der beste Fall für einen Patienten ist und dann profitiert er, wenn es über eine Hilfeplankonferenz, die verschiedenen Anbieter von Leistungen zusammengefasst werden, gemeinsam mit den Patienten, das ist auch ganz wichtig, im Beisein des Patienten und nach seinen Wünschen und Vorstellungen ein Hilfeplan aufgestellt wird, wo dann verschiedene Elemente, berufliche Rehabilitation, Medikation, Psychotherapie aufeinander abgestimmt sind und alle Anbieter dann auch wissen, es geht um dieses und jenes Ziel und das wollen wir gemeinschaftlich erreichen.

Psychiatriekoordinatorin: Wir richten uns nach den Bedürfnissen des Betreffenden in seinem Lebensumfeld. Also wir sagen jetzt nicht, Sie müssen in diese Einrichtung gehen und Sie werden da schon zurechtkommen, sondern wir wollen wirklich wissen, was er für Vorstellungen hat und wollen Ihnen also auch alles mehr transparenter machen.

Chefarzt: Die Last der Erkrankung und wie man mit der Krankheit fertig wird, findet im normalen Leben statt, in der Häuslichkeit, mit Freunden, im Beruf, in der Familie und deswegen ist es wichtig, dass alle Anbieter, die in einer sogenannten Gemeinde, in der Gemeindepsychiatrie zusammenarbeiten, dass sie sich vernetzen und ihre Hilfen aufeinander abstimmen.

Psychiatriekoordinatorin: Wenn wir dann praktische Erfahrungen haben mit Hilfeplankonferenzen und auch sagen können, was wir damit erreicht haben, dann denke ich, ist es auch ein Leichtes, auch andere Landkreise zu ermutigen, solche Verbünde in Angriff zu nehmen.

Oberärztin: Durch die Vernetzung ist es ganz günstig, einfach durch gemeinsame Hilfeplankonferenzen zum Beispiel, einfach auch die ideale Behandlung für den Patienten abzustimmen und alle seine Bedürfnisse mit im Blick zu behalten.

Pflegekraft: Dass ich die Zeit habe, vor allem für den Patienten, ist mir sehr wichtig, dass ich Zeit habe für Gespräche und nicht so unter Druck stehe, dass der ganze Papierkram geschafft werden muss und ich das Gefühl habe, er wird angenommen und fühlt sich gut hier aufgehoben, anerkannt, so wie er ist.

Der Gemeindepsychiatrische Verbund (GPV) ist ein verbindlicher Zusammenschluss der wesentlichen Leistungserbringer und Leistungsträger psychiatrischer Hilfen in den Landkreisen Märkisch-Oderland und Oder-Spree und somit Teil des gemeindepsychiatrischen Hilfesystems.

Zielgruppe sind Menschen mit schweren und lang andauernden psychischen Erkrankungen und komplexen Hilfebedarf, die ihre erforderlichen Leistungen nicht selbst koordinieren können. Der GPV sichert für diese Zielgruppe die bedarfsgerechte Behandlung und Hilfen in verschiedenen Leistungsbereichen (z. B. Arbeit, Wohnen).

Dazu werden einheitliche, personenzentrierte Verfahren zur Hilfeplanung verwendet; der sogenannte Individuelle Behandlungs- und Rehaplan (IBRP). Jeder individuelle Hilfeplan wird in einer Hilfeplankonferenz von Fachleuten gemeinsam mit der antragstellenden Person besprochen. Somit wird eine einrichtungs- und leistungsübergreifende Abstimmung gewährleistet.

Das Zentrum für Tagesmedizin bietet ein ungewöhnliches Konzept der Zusammenarbeit zweier Kliniken: der Immanuel Klinik Rüdersdorf und der Fachklinik für Geriatrie in Woltersdorf. Es umfasst die Bereiche psychiatrische Tagesklinik, psychiatrische Institutsambulanz und geriatrische Tagesklinik. Hier stehen den Patienten umfangreiche ambulante und teilstationäre Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die Patienten können in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung bleiben und werden gleichzeitig von hochprofessionellen Behandlungsteams bestehend aus Ärzten, Krankenpflegern, Psychologen, Ergotherapeuten, Sozialarbeitern und Physiotherapeuten umfangreich behandelt.

In der psychiatrischen Tagesklinik werden Erwachsene mit dem gesamten Spektrum psychischer und psychosomatischer Erkrankungen wie z. B. Depressionen, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen behandelt. Schwerpunkt der psychotherapeutischen Arbeit ist die Arbeit in Gruppen, ergänzt durch wöchentlich stattfindende Einzelgespräche und bei Bedarf Angehörigengespräche.

Weitere Behandlungsangebote bestehen aus ärztlicher und psychologischer Befunderhebung und Diagnostik, individuellen medikamentöser Beratung und Behandlung, Psychoedukation, Skills- und Fertigkeitentraining, Kognitivem Training, Ergotherapie, Genusstraining, Physiotherapie, soziale Beratung und Hilfen.

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach der Ausprägung des Krankheitsbildes und beträgt in der Regel 4 – 6 Wochen. Die persönliche Zielsetzung des Patienten ist dabei Maßstab unserer therapeutischen Bemühungen. Die Ziele werden in individuellen Behandlungsverträgen zu Beginn der Behandlung festgelegt.

Wir agieren stets gemeinsam mit unseren Patienten.

Chefarzt Prof. Dr. med. Martin Heinze