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„Nicht fallen (ge)lassen“

"Herausforderungen der Suchtmedizin – von stationär bis intensiv-ambulant.

Patientin: Ich hatte ein Problem mit meinem Alkoholproblem, Medikamentenproblem, und da wurde mir empfohlen, dass ich in die Klinik gehen soll, in den Rüdersdorf, in den Suchtstation, mir helfen lassen.

Oberärztin: Die besondere Herausforderung ist, glaube ich, zum einen erstmal den Suchtpatienten zu erreichen, zu motivieren und ein Verständnis zu geben, dass es sich um eine Erkrankung handelt, die man behandeln kann, und den Patienten dann zu begleiten, vor allem, wenn es immer wieder Rückfälle gibt.

Psychologin: Wir haben viele Patienten, die auch noch eine depressive Erkrankung haben oder eine Angststörung, sich da einfach sehr viel mischt, und sozusagen das, was ihnen gemeinsam ist, ist eben die Suchterkrankung.

Oberärztin: Wir haben ja ganz oft Patienten, die die sogenannten Red-for-Patienten sind, die ganz verzweifelt bemüht sind, abstinent zu leben und dies nicht schaffen, wiederholt zur Aufnahme kommen. Und wir versuchen letztendlich ein Angebot zu machen, dass die Patienten, wenn sie es brauchen und möglicherweise auch schon kurz vor einem Rückfall sind, niedrigschwellig Therapie erhalten, also sich im ambulanten Bereich oder auch im stationären Bereich melden können, und wir sind im ambulanten und stationären Bereich vernetzt.

Psychotherapeutin: Am Anfang ist viel Hoffnung, viel Begeisterung, viel Einverstanden sein, und dann wird es natürlich doch anstrengend, wenn es wieder schwierigere Zeiten gibt und man nicht auf den gewohnten Konsum zurückgreifen kann. Und dafür ist das engmaschige auch gut. Das ist zwar dann manchmal Kontrolle, aber es gibt trotzdem die Möglichkeit, sich häufig zu sehen.

Sozialarbeiterin: Also na klar ist man enttäuscht, wenn man denkt, Mensch, jetzt hat es jemand schon zwei, drei Monate geschafft, wenn dann ein Rückfall da ist, aber ein Rückfall ist ja auch immer eine Chance, gemeinsam zu gucken, was lief da schief, warum ist es zu diesem Rückfall gekommen, und damit auch wieder neu zu starten.

Oberärztin: Wir haben mitunter Patienten, die wirklich abwehren und sagen, ich bin nicht krank, ich bin nicht suchtkrank. Wir haben aber auch Patienten, was mich besonders anrührt, die wiederholt um Abstinenz kämpfen und wo wir einfach spüren, dass es unwahrscheinlich schwierig ist. Wir haben aber auch Patienten, die inzwischen zum Beispiel als Lotse arbeiten, also die längere Zeit trocken sind und andere Patienten begleiten.

Sozialarbeiterin: Weil wir den Alkohol ja nicht aus ihrem Leben verbannen können. Die Konfrontation mit Alkohol, die ist überall da. Sie gehen in den Supermarkt, sie erleben Feiern, Geburtstagsfeiern.

Sie sollen ja teilnehmen, aktiv teilnehmen am Leben, und so werden sie auch an jeder Ecke mit Alkohol konfrontiert. Und ich denke, das ist nochmal ein besonderes Problem.

Patientin: Ja, ich sehe jetzt mal so, ich bin jetzt 15 Monate trocken. Das ist für mich, dass ich noch eine Chance habe zum Leben ohne Alkohol, ohne Medikamentenabhängigkeit, dass ich davon komplett weg bin.

Psychotherapeutin: Ja, ich glaube, dass man selbst nicht die Hoffnung aufgibt. Das würde ich als die Herausforderung sehen.

Sozialarbeiterin: Wir führen einmal im Jahr einen Ehemaligen-Treffen durch, immer am ersten Samstag im März. Und wir haben immer fast 100 Besucher, ehemalige Patienten, die alle abstinent leben. Und wenn wir zusammenkommen einmal im Jahr, das ist ein beruflicher Glücksmoment.

Da bin ich auch beeindruckt, was diese Patienten geleistet haben.

Das Angebot der Suchtmedizin richtet sich an alle Menschen mit einer stoffgebundenen Abhängigkeitserkrankung, die neue Wege einschlagen möchten und ein suchtmittelfreies Leben beginnen möchten. Angesprochen sind aber auch diejenigen, die an Verhaltenssüchten (z. B. pathologisches Glücksspiel) leiden.

Die Patienten stellen sich in ihrem Aufenthalt ganz besonderen Herausforderungen: Für viele beginnt ein neuer Lebensabschnitt ohne Alkohol oder Drogen; für den ein oder anderen nach einer langen Zeit des Konsums. Mit der Abstinenz gehen viele Lebensveränderungen einher:

Ziele des störungsspezifischen Gruppenprogramms sind:

Besonders wichtig im Umgang mit den Patientinnen und Patienten ist das Bilden einer tragfähigen therapeutischen Allianz, die einen wertschätzenden und zugleich kritischen Umgang mit den Besonderheiten der Patientinnen und Patienten erlaubt. Entscheidend ist es, einen Schutzraum für die Patienten zu bieten, der ihnen hilft, erste Schritte in ein abstinentes Leben zu gehen. Auf diesem Weg will das Zentrum für seelische Gesundheit an der Immanuel Klinik Rüdersdorf, Universitätsklinikum der MHB Hochschulklinik ein unterstützender und zuverlässiger Partner sein, der die Patienten auffängt, sie begleitet und an sie glaubt.

Erhalten Sie weitere Informationen zur stationären Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen.

Ich sehe, dass ich noch eine Chance zu einem Leben ohne Alkohol habe.

Ambulant betreute Patientin der Suchtmedizin