„Transparenz und Alltagsnähe“
Mutter-Kind-Arbeit und Reflecting Team
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„Transparenz und Alltagsnähe“
Mutter-Kind-Arbeit und Reflecting Team
Familientherapeutin: Wir haben ja vor einiger Zeit damit angefangen, weil wir den Bedarf gesehen haben, dass viele Kinder gerade hier im ländlichen Raum unterversorgt sind. Und wir haben häufig jüngere Patientinnen, also 18, 19, mit kleinen Kindern. Wir haben gesehen, da ist die Not oft sehr groß.
Oberärztin: Und wir haben dann gemerkt, dass es auch sehr spannend ist, Patienten in der Beziehung zu ihren Kindern zu erleben und das auch für die Therapie mit zu nutzen.
Familientherapeutin: Wir hatten im Vorfeld diese Form der klassischen Einzelvisite, so wie wir jetzt so gegenüber sitzen. Und das fand ich oft sehr schwierig. Und deshalb habe ich gedacht, die Patienten sollen ruhig hören, was wir so hinter geschlossenen Türen über die Patienten reden.
Ergotherapeutin: Also Patienten sind meistens erstmal sehr ängstlich und denken so, oh Gott, die gucken jetzt alle zu. Aber beim zweiten Mal gehen sie eigentlich fröhlich rein, weil es ganz oft ein positives Feedback ist. Und das kriegt man in der Gesellschaft eher weniger.
Und deswegen machen Patienten das eigentlich sehr gerne zum Schluss, weil sie einfach etwas Wohlholendes zurückkriegen von uns.
Familientherapeutin: Viele gehen ja sehr gestärkt raus, manche gehen auch weinend hier raus, weil natürlich auch Emotionen eine Rolle spielen. Das hat man ja bei der Klientin eben auch gemerkt, die auch angerührt war. Und viele der Patienten, die zu uns kommen, haben noch nie in ihrem Leben eine Rückmeldung bekommen, also eine positive.
Oberärztin: Ja, was häufig sehr interessant ist, wie auch der Bezugstherapeut mit dem Patienten ins Gespräch kommt. Und das ist auch oft etwas, was wir dann auch rückmelden und reflektieren. Und da können schon mal interessante Dinge passieren, dass wir da in der Sequenz zum Beispiel einen ganz anderen Patienten erleben, als wir ihn vielleicht manchmal im Alltag auch erleben.
Und das ist dann sehr spannend für uns, aber auch für den Patienten, das dann auf den Punkt zu bringen. Also ein Patient, der sehr viel Versorgung braucht, der von der Therapeutin zum Beispiel sehr bemuttert wird und in anderen Sequenzen in der Tagesklinik in den Therapieangeboten sehr stark und gut für sich sorgend auftritt. Das sind dann so spannende Momente, wo Patienten wirklich dann auch wieder ganz dankbar sind, dass sie diese Rückmeldung bekommen.
Und ich glaube, die Patienten schätzen auch, die sehen auch, wie wir miteinander umgehen in den Teams, dass das auch geprägt ist von Wertschätzung und Akzeptanz und freundlichem Umgang. Und ich glaube, das zeichnet uns aus. Das kriegen wir auch als Rückmeldung von den Patienten.
Das Reflecting Team als Form der Einzelvisite der Tagesklinik bietet die Möglichkeit der transparenten, kritischen, aber wertschätzenden Rückmeldung an die Patientinnen. Die Rückmeldung vom Team ermöglicht einen psychotherapeutischen Zugang zu den Patientinnen und rückt sowohl die Stärken als auch veränderungswürdige Schwächen der Patientinnen in den Fokus. Das Reflecting Team ist ein Element aus der Systemischen Therapie: Die Mitarbeiter trainieren empathische und validierende Kommunikation, die Patienten lernen am Modell.
Die Alltagsnähe in der Therapie wird durch die angebotene Mitaufnahme von Kleinkindern in die Tagesklinikbehandlung begünstigt, weil dies einen wertvollen Blick auf die Mutter-Kind-Beziehung ermöglicht und auch die Familien unserer Patienten bei Bedarf in unsere Betrachtungen und therapeutischen Aktivitäten einbezogen werden.
Ergänzend wirken Angebote für ambulante Mutter-Kind-Gruppen, Psychoedukation für Kinder und Familienangehörige und die gute Zusammenarbeit mit Einrichtungen und Mitarbeitern der Jugendhilfe/ Frühe Hilfen zum Schutz und zur Prävention von Kindern psychisch erkrankter Eltern.
Weitere Informationen zur Systemischen Therapie/ Familientherapie erhalten Sie hier.
Unsere Patientinnen bekommen von uns immer etwas Wohlwollendes zurück.
Ergotherapeutin im Reflecting Team