Arbeitsgruppe Psychiatrische Versorgungsforschung

Die AG Psychiatrische Versorgungsforschung beschäftigt sich mit der qualitativen und quantitativen Evaluation von psychiatrischen Therapieangeboten, innovativen Versorgungsstrukturen und Forschungen zum Einbezug der Nutzerperspektive.

Sie ist interdisziplinär aufgestellt (Psychiatrie, Gesundheits-wissenschaften, Psychologie, Ethnologie, Biologie) und verfügt über ein breites Spektrum von methodischer Expertise, beispielhaft die Durchführung leifadengestützter Fokusgruppen, Arbeit mit Forschungstagebüchern, Entwicklung und Validierung von neuen Instrumenten für Patientenbefragungen etc. Mit ihren Arbeiten möchte sie kritische und emanzipatorische  Ansätze im psychiatrisch-psychotherapeutischen Feld fördern.

EvaMod64b

International gibt es ein breites Spektrum von teambasierten und stations-ersetzenden Versorgungsmodellen, während in Deutschland viele Patienten ausschließlich im vollstationären Setting behandelt werden. Seit 2013 sind die Möglichkeiten für integrative Behandlungsformen gemäß §64b SGB V erweitert worden: Durch ein klinikbezogenes Gesamtbudget über alle Behandlungssettings – stationär, teilstationär, ambulant – hinweg zielen diese Modellvorhaben auf eine flexiblere, bedarfsgerechtere Versorgung. Infolge der Rahmenbedingungen des § 64b wurde von den Krankenkassen-verbänden 2015 europaweit eine Begleitforschung ausgeschrieben. Diese basiert auf der Analyse von bei den Krankenkassen vorliegenden Routinedaten.

Mit diesem Studiendesign können qualitative Fragen, insbesondere die Beurteilung der Modell-versorgung durch Patienten, Angehörige und Mitarbeiter nicht beantwortet werden. Auch kann nicht untersucht werden, wie die einzelnen Kliniken die Modellversorgung ausgestalten. Aus diesen Gründen hat sich eine Gruppe der Modellkliniken entschieden, eine eigene Studie durchzuführen (Akronym EvaMod64b). Die Datenerhebung ist bereits abgeschlossen. Die Studienergebnisse werden ab 2018 publiziert.

64b – ältere Patienten

Die Lebenskontinuität ist durch „die Kognition der Bewahrung der eigenen Identität über die innere und äußere Veränderung hinweg“ gekennzeichnet. Eine stationäre Behandlung kann einen erheblichen Eingriff in die Lebenskontinuität bedeuten. Gerade im höheren Erwachsenalter wird die Lebenskontinuität durch Verlust des Lebenspartners oder enger Bezugspersonen sowie durch Erkrankungen und Behinderungen eingeschränkt. Bei älteren Patienten wurden innovative Versorgungsformen bis jetzt nur in wenigen Studien und nur in Bezug auf einzelne Behandlungsstrategien (Hometreatment, stationsersetzende Intensivbehandlung) untersucht.

Nationale Studien, die die Wirkung der integrierten Versorgung auf die Lebenskontinuität älterer Patienten systematisch erfassen, fehlen dagegen. Ziel des vorliegenden Forschungsprojekts ist die kontrollierte multizentrische Untersuchung der Wirkung sektor übergreifender Versorgungsstrategien nach §64b SGB-V auf die mittlere jährliche kumulative Verweildauer (MJKV) der stationär-psychiatrischen Behandlung der älteren (≥ 65 Jahre) Patienten. Die primäre Hypothese ist, dass einige Versorgungsstrategien der Modellprojekte zur Verkürzung der MJKV bei älteren Patienten führen. Die Arbeitshypothese wird mithilfe eines Sets multipler linearer Regressionen unter Berücksichtigung der Kontrollvariablen geprüft. Ergebnisse werden zum Jahresanfang 2018 vorliegen.

PsychCare

Die im Rahmen des §64b SGB-V etablierten Modellvorhaben sind auf eine Verbesserung der Patientenversorgung und eine sektorenübergreifende Leistungserbringung ausgerichtet. Bisher fehlt jedoch ein belastbarer Vergleich des Nutzens, der Kosten und der Effizienz zwischen Modell- und Regelversorgung. An der Studie PsychCare ist die Medizinische Hochschule Brandenburg als Konsortialpartner (Führung Technische Universität Dresden) beteiligt. Sie verfolgt folgende Fragestellung: Weisen Patienten in der Modellversorgung 15 Monate nach Studieneinschluss eine höhere Lebensqualität und Behandlungszufriedenheit auf als entsprechende Patienten in der Regelversorgung und existieren Unterschiede im Ressourcenverbrauch?

Methodisch wird eine kontrollierte prospektive multizentrische Kohortenstudie mit drei Erhebungszeitpunkten durchgeführt (Baseline-Erhebung, Follow Up nach 9 und nach 15 Monaten). Neben der quantitativen Erhebung findet eine Prozessevaluation mit Hilfe von qualitativen Untersuchungen, eine Kosten-Effektivitäts-Analyse, Identifizierung von Qualitätsindikatoren und ein individuelles Linkage von Primär- und GKV-Sekundärdaten auf der Basis eines informed consent statt. Es ist geplant, bei den Erwachsenen pro Untersuchungsgruppe und Modell/Kontrollgruppe je 321 Patienten und bei den Kindern/Jugendlichen 212 Patienten pro Untersuchungsgruppe und Modell/Kontrollgruppe in die Studie einzuschließen. Ergebnisse werden zum Jahresende 2020 vorliegen.

Krisenprojekt

In diesem Forschungsprojekt werden die Angebote der betroffenengeleiteten Selbsthilfe des Landesverbandes Psychiatrieerfahrener NRW untersucht. Vorrangig beforscht werden die Bochumer Krisenzimmer, die eine Alternative zur psychiatrischen Regelversorgung darstellen. Zentrales Forschungsinteresse gilt den kritischen Merkmalen der selbsthilfegeleiteten Krisenversorgung: Was sind deren zentrale Bestandteile, Wirkfaktoren und Effekte? Dabei kommen vor allem Methoden der qualitativen Gesundheitsforschung zum Einsatz. Das Besondere an dieser Studie ist deren partizipative Ausrichtung, die in jedem Schritt des Forschungsprozesses ehemalige Nutzer der Bochumer Selbsthilfe beteiligt, um die Betroffenenperspektive angemessen zu berücksichtigen. Perspektivausweitung wird auch dadurch erreicht, dass eine/r der wissenschaftlichen Mitarbeiter/Innen des Teams über Erfahrungsexpertise, also Erfahrung aus der Nutzung des psychiatrischen Hilfesystems, verfügt.

AAPV: Evaluation des Pilotprojektes Stärkung der AAPV im Land Brandenburg

Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) und ihre 100-prozentige Tochtergesellschaft KV Consult- und Managementgesellschaft mbH (KV COMM) führen das Pilotprojekt zur Stärkung der Allgemeinen ambulanten Palliativversorgung im Land Brandenburg durch. Die externe Evaluation führen sie gemeinsam mit der Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB), Hochschulklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Rüdersdorf, durch, da hier ein gemeinschaftliches wissenschaftliches Interesse bezüglich der Versorgungsforschung besteht. Das Evaluationskonzept wurde gemeinsam entwickelt.

Im Evaluationsvorhaben wird ein Mix aus verschiedenen qualitativen und quantitativen Daten, Methoden und Instrumenten eingesetzt. Die Herausforderung für die qualitative Datenerhebung und Auswertung besteht darin, integrativ über das Modellprojekt auch qualitative Daten zu erheben, um die quantitativ erzielten Daten inhaltlich anreichern zu können. Dazu werden in der psychiatrischen Versorgungsforschung bekannte Methoden (Fokusgruppen und Inhaltsanalyse) für die Fragen der palliativmedizinischen Versorgung weiterentwickelt und auf diese übertragen. Diese in diesem Anwendungsbereich neue Methodik soll hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit in der Praxis erprobt werden. Dies ordnet sich dem vom Partner MHB verfolgten generellen Forschungsinteresse unter, qualitative und quantitative Ergebnisse der Evaluation neuer medizinischer Leistungen verschmelzbar zu machen.

PEA - Psychopharmaka: Einstellungen und Adhärenz in Pflegeheimen

Bei dem PEA-Projekt handelt sich um eine Versorgungsforschungsstudie, die den Psychopharmakagebrauch in Alten- und Pflegeheimen in Brandenburg näher untersucht. Diese Pilotstudie soll die Ursachen für unspezifische und inadäquate Verordnungen von psychotropen Medikationen in Heimen identifizieren. Im ersten Studienabschnitt wird das Einnahmeverhalten von Psychopharmaka in fünf brandenburgischen Heimen bei 120 Bewohnern beschrieben.

Dazu werden gezielt Befragungen in Heimen bei Bewohnern, Pflegenden und verordnenden Ärzten durchgeführt. Um anschließend mögliche Ursachen identifizieren zu können, wird die quantitativ erhobene Adhärenz („Therapietreue“) bei den Bewohnern mit den Einstellungen der Bewohner, der Pflegenden und Verordnern zu Psychopharmaka in Beziehung gesetzt. Auf dieser Grundlage folgt ein zweiter qualitativer Studienabschnitt. Fokusgruppen sollen Ergebnisse zur Erklärung der Einstellungen von Pflegenden und Verordnern zu Psychopharmaka und zum tatsächlichen Gebrauch produzieren. Es soll ein erster Erklärungsansatz für die Verschreibungspraxis von Psychopharmaka generiert werden, aus dem sich Forschungshypothesen für geplante nachfolgende Interventionsstudien ableiten lassen.

 
 
 
Alle Informationen zum Thema

Poliklinik Rüdersdorf

Gefahr für Klappen und Körper

  • 10. November 2018
    26. Tag des Herzzentrums mehr

Termine

  • 23 Oktober 2018
    Gesprächsrunde über psychische Erkrankungen mit Patienten und Angehörigen
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  • 10 November 2018
    26. Tag des Herzzentrums – Gefahr für Klappen und Körper
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  • 24 November 2018
    Gedenkgottesdienst für Verstorbene
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Weitere Termine

  • Univ.-Prof. Dr. med. Martin Heinze ist TOP Mediziner 2018.

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